Robert Gauweiler, geb. 14.01.1906, Hannover, hingerichtet am 11.12.1944 auf dem Truppenübungsplatz am Höltigbaum in Hamburg-Rahlstedt

Robert Gauweiler, verheiratet, 6 Kinder, war einer der aus hannover kommenden Deserteure. Wegen seiner Tätigkeit in der Kommunistischen Partei und deren Jugendverband sowie der illegalen Arbeit im 1929 verbotenen Rotfrontkämpferbund, war er bereits 1927 und 1930 in Hannover zu geringfügigen Strafen verurteilt worden. 1931 wurde er erneut festgenommen. Er hatte versucht in der Reichswehr kommunistische Zellen zu bilden. Wegen Vorbereitung zum Hochverrat wurde er vom Reichsgericht Leipzig zu zwei Jahren Festung verur­teilt, die er in Landsberg am Lech bis Juni 1933 verbüßt hat.  Nach seiner Entlas­sung wurde er in ein Konzentrationslager eingewie­sen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. 1940 erfolgte seine Einberufung zur Wehrmacht. Zuletzt gehörte er zum Truppenteil Feldluftmunitionslager 6/XI in Christians­hede/Dänemark. Dort wurde er am 8. August 1944 wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode verurteilt. Am 11. Dezember 1944 wurde Robert Gauweiler mit 38 Jahren in Hamburg erschossen und dort auf dem Ohlsdorfer Friedhof be­stattet.

 

 

Interview mit dem Sohn von Robert Gauweiler

 
“Mein Vater wurde 1940 zur Wehrmacht eingezogen, zum Einsatz in der Ukraine. Er mochte die Russen gern, aber er blieb dort nur kurze Zeit. Weil wir eine kinderreiche Familie waren, wurde er dann als Unteroffizier beim Bodenpersonal der Luftwaffe in Christianshede, Dänemark eingesetzt. Dort wurde er von Kameraden denunziert, weil er sich über den Unsinn des Krieges geäußert hatte   . Dann hat er nochmal die Familie besucht und wurde bei der Rückkehr zur Truppe verhaftet. Das war noch in Dänemark, wo ihm dann auch der Prozeß gemacht wurde und dann kam er nach Hamburg in die Todeszelle.”
Frage: “Haben Sie ihren Vater noch einmal besuchen können?”
“Ja, meine Mutter, meine Schwester und ich fuhren nach Hamburg. Dort stand unser Vater mit dem Gesicht zur Wand, an den Händen gefesselt, wir durften ihm nicht die Hand geben. Nachher hat er sich umgedreht und wurde zu uns rumgeführt, wo einer schwerbewaffnet dabeisaß und wir haben natürlich nur, naja, nichts besonderes erzählt, was sollte man? Ich war sogar noch in Arbeitsdienstuniform. Das habe ich extra gemacht, mit dem Hakenkreuz, ja aber, hat alles nichts gebracht. Beim Aufwiedersehen durften wir uns wieder keine Hand geben. Mein Vater wurde behandelt wie ein Schwerverbrecher. Und dann fuhren wir nachhause mit einem unguten Gefühl. Dann kam der Zeitpunkt, wo ich mit meiner Schwester allein hingefahren bin.”
Frage: “Wann ist das gewesen?”
“Das war vielleicht so vier Wochen später. Dann kamen wir hin, da sagten die Soldaten - denen war das peinlich natürlich, meine Schweter war 16 und ich 17 - heute wäre keine Sprechstunde. Dabei war mein Vater gar nicht mehr am Leben.”
Frage: “Wann haben Sie erfahren, daß Ihr Vater umgebracht worden war?”
“Kurze Zeit später, da kam die Nachricht, alles ist abgelehnt. Dann haben sie noch die Sachen mitgeschickt, mein Vater hatte Gitarre gespielt.”
Frage: “Was haben Sie damals gedacht?”
“Nun hätte ich ja sagen können, hätte er doch bloß nichts gesagt, wenn man doch sechs Kinder hat. Und das dachte nicht nur ich, die Familie auch. In Hardegsen, ein kleiner Ort, da machten meine Geschwister, die noch jünger waren, Spießrutenlauf: Wo ist euer Vater? Lebt er noch?”
Frage: “Die wußten das alle?”                 “Ja, das spricht sich schnell rum.”
Frage: “Es hat Ihnen und Ihrer Familie keiner beigestanden?”
“Hinterher ja, als das Dritte Reich kaputt war, da waren sie freundlich.”
 
Interview Hannah Kirchmeier mit Theo Gauweiler am 21.7.98

 

Abschiedsbrief von Robert Gauweiler an seine Familie

 W.U.G., den 11. Dez. 1944
Meine liebe Thea und meine lieben Kinder!
Das Schicksal hat nun über mich entschieden! Heute morgen um 7 Uhr wurde mir durch den Oberstabsrichter mein Todesurteil verlesen. In 2 Stunden ist die Hinrichtung durch Erschießen. Es ist mir noch fast unfaßbar, aber es ist so. Liebe gute Thea und meine lieben guten Kinder, tragt mein Ausscheiden aus dieser Welt ruhig und gelassen, wie ich es auch tragen will. Vor mir steht eine brennende Kerze, das letzte Licht, was für mich scheint. Der Herr Marine-Pfarrer ist bei mir und spricht mit mir die letzten Worte. Alles, was ich nun tue, ist nun das Letzte. Aber zum letzten Male darf ich dann noch mal an Euch Lieben denken. Liebe Thea, bleibe den Kindern immer eine gute Mutter und erziehe sie zu rechtschaffenden Menschen. Vergib mir allen Kummer, den ich Dir manchmal unnütz bereitet habe. Bleibe stark im Herzen und denke stets daran, daß Dein Leben den Kindern gehört. Du brauchst Dich wegen meiner Hinrichtung nicht zu schämen, denn Du weist wie ich, daß ich kein Verbrecher war, wohl ein Mensch, der eine Überzeugung hatte und nun für diese Überzeugung sterben muß. Schon andere sind vor mir denselben Weg gegangen, den ich nun gehen muß, schon durch die Jahrhunderte und durch die Jahrzehnte. Liebe Thea, Du verstehst mich ja und wenn die Kinder einmal selber denken können, dann werden sie nicht glauben, daß ihr Vater ein gemeiner Verbrecher war. Um Euch tut es mir sehr leid, daß ich Euch auf diese Weise verlassen muß. Gern hätte ich noch manches liebe Jahr in Friede und Eintracht mit Euch zusammen gelebt.
Nun, liebe gute Thea und meine lieben Kinder zum letztenmal lebt wohl auf dieser Welt.
 
Dein lieber Robert und
Euer lieber Papa!
Grüße meinen Vater und meine Mutter, Rosa, Martha, Friede, Kurt, Paula und alle anderen lieben Verwandten und die, die gut zu mir waren.
Weine Dich nur richtig aus und behalte mich im guten Angedenken und dann fange wieder an zu leben, denn das Leben hat das Recht. Nehme alle Kinder für mich in den Arm.
Nochmals sei stark und Überwinde alles!
 
aus dem Privatbesitz des Sohnes Theo Gauweiler