Deserteure der Wehrmacht 1939 – 1945 in und aus Hannover.

Im Zweiten Weltkrieg sind von der Wehrmachtjustiz mindestens 30.000 Todesurteile wegen  “Fahnenflucht” (Desertion), “Wehrkraftzersetzung” und “Kriegsverrat”  verhängt worden. Mindestens 21.000 davon wurden vollstreckt. Unbekannt ist die zahl derer, die durch Standgerichte in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges hingerichtet wurden. Grundlage für diese Urteile der NS-Militarjustiz war die Kriegssonderstrafrechtsverordnung, flankiert von der Kriegsstrafverfahrensordnung, die beide auf Anordnung Hitlers mit dem Einmarsch der Wehrmacht nach Polen in Kraft gesetzt wurden.

Desertion und militärischer Ungehorsam

Die Desertion in der Wehrmacht war überwiegend ein individueller Akt des Ungehorsams gegen das militärische Prinzip von Befehl und Gehorsam. Sie geschah selten an der Front, häufiger dagegen beim Heimaturlaub. Der Deserteur entzog sich dem Militär durch Flucht und irrte häufig ruhe- und  rastlos umher. Er brauchte Essen, Kleidung, Unterkunft und Geld. Die nötige Hilfe bekam er häufig von Frauen. Er mußte seine Identität verbergen, sich verstecken und immer mit der Angst leben, entdeckt oder denunziert und verhaftet zu werden. Alfred Andersch beschrieb seine Desertion als Weg in die Freiheit und in die Einsamkeit: “Deserteure sind Menschen, die sich selbst in die Wüste schicken.”

Die Motive und Verlaufsformen der Desertion waren ebenso verschieden, wie die Formen von Widerstand und Verweigerung. Man wird von mehreren hundertausend Wehrmachtsoldaten ausgehen müssen, die sich auf die eine oder andere Weise dem Kriegsdienst entzogen haben. Es gab nicht den typischen Deserteur.

Folgende Formen des Ungehorsams lassen sich benennen:

  • die offene Kriegsdienstverweigerung, z.B. durch Musterungs-, Einberufungs- oder  Eidverweigerung,
  • die latente Form, z.B. durch Erlangung der “Wehrunwürdigkeit” oder illegale Auswanderung,
  • die Flucht, wie z.B. vorübergehende unerlaubte Entfernung, Fahnenflucht, Überlaufen, aber  auch Selbstmord,
  • Wehrkraftzersetzung, passive Befehlsverweigerung, Wehrdienstentziehung durch Selbstverstümmelung oder durch Simulation von Krankheiten,
  • aktive Gegengewalt wie tätlicher Angriff oder Tötung eines Vorgesetzten, Sabotage, aktive Befehlsverweigerung oder Meuterei/Aufruhr.

 Soldaten in und aus Hannover

Hannover war nicht nur rüstungsseitig eine der kriegswichtigsten Stätten des Deutschen Reiches. Neben zahlreichen Rüstungs- und Zulieferfirmen wie Continental oder Hanomag, hatten auch zahlreiche Divisionen und Wehrverwaltungen ihren Sitz in Hannover. Hier wurden an neun Militärgerichten Soldaten abgeurteilt, hier wurden diese in Hannover-Vahrenheide hingerichtet und auf dem Fössefeldfriedhof begraben. Um diese Soldaten und um die jenigen, die aus Hannover kamen und an den Kriegsfronten sich dem gehorsam verweigerten, soll es auf dieser Seite gehen.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen