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Freitag, 31. August 2012, 19.30 Uhr
Zum Antikriegstag 1. September
... und wenn sie mich an die Wand stellen ...
Lesung mit Ralf Buchterkirchen

Der hannoversche Autor Ralf Buchterkirchen hat unter dem Titel „… und wenn sie mich an die Wand stellen“ ein Buch über Desertion, Wehrkraftzersetzung und „Kriegsverrat“ von Soldaten in und aus Hannover in den Jahren 1933 bis 1945 geschrieben. Ralf Buchterkirchen ist seit vielen Jahren in der Friedensbewegung sowie queer-feministischen Initiativen aktiv. Die Idee zum Buch entstand aus dem Wunsch heraus, die von Klaus Falk in jahrelanger Kleinarbeit gesammelten
Informationen zu Kriegs- und Gehorsamsverweigerern in Hannover zu ordnen und einer allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Zum Einen soll damit an eine gern vergessene und auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges lange nicht rehabilitierte Opfergruppe nicht nur aus regionalhistorischer Sicht erinnert werden, andererseits soll mit diesem Buch die Debatte um ein Deserteurdenkmal in Hannover Aufschwung bekommen. Als Ausgangspunkt zum Verständnis der individuellen Beweggründe für Desertion, Wehrkraftzersetzung oder „Kriegsverrat“ wurde gezielt der Umgang mit „heroischen Männlichkeitsbildern“ beschrieben. Männlichkeit wurde im Nationalsozialismus – im Vergleich zur preußischen
Tradition – weiter überhöht und „Bestrafung der Deserteure hieß im NS-Staat auch symbolische Entmännlichung“, so Buchterkirchen. In diesem Sinne verspricht dieser Zugang neue Sichtweisen und verbinden sich friedens- und gesellschaftspolitische Interessen des Autors. Enthalten sind in „.. und wenn sie mich an die Wand stellen…“ unter anderen die Geschichten von Hubert Breitschaft und Robert Gauweiler. Breitschaft, Lehrer aus Bayern, kostete
die spontane Reaktion auf das misslungene Hitler -Attentat vom 20. Juli 1944 - „Schade, dass es ihn nicht erwischt hat!“ - das Leben. Er wurde zum Tode verurteilt und in Hannover hingerichtet. Der Hannoveraner Robert Gauweiler hatte im Kameradenkreis die Befürchtung geäußert: „Diesen Krieg verlieren wir.“ Dafür verurteile ihn die Wehrmachtsjustiz in Dänemark zum Tode. Für diese und andere Opfer der NS-Militärjustiz hat das Antikriegshaus vor fünfzehn Jahren das Deserteurdenkmal in Sievershausen errichtet.

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Desertion und Männlichkeit

11.5.2012, 19:00 h, Leipzig, linXXnet, Bornaische Str. 3d, Veranstalter: linXXnet e.V.

Deserteure sind „Feiglinge“ „Drückeberger“ und „Weiber“. Deserteure sind Helden im antifaschistischen Kampf. Diese Bilder derjenigen, die sich dem Krieg entzogen, herrschten – je nach Sichtweise - uneingeschränkt bis in die 1980er Jahre vor. Ralf Buchterkirchen geht, ausgehend von Männlichkeitsbildern und der Militärjustiz als willfähriger Repressionsstruktur der Nazis, der Frage nach, wie und warum Soldaten des Zweiten Weltkrieges den Gehorsam verweigerten und wie sie selbst mit diesen ihnen zugewiesenen Stereotypen umgingen. Hinterfragt wird vor diesem Hintergrund auch, die nicht erfolgte Rehabilitation direkt nach Kriegsende. Dabei wird deutlich, wie Männlichkeitsforschung neue Ansätze liefern kann, Desertion als individuelle Entscheidung vor dem Hintergrund von Repression zu verstehen und damit auch Deserteuren und den ihnen Helfenden angemessen zu gedenken.

Ralf Buchterkirchen ist aktiv in der Initiative für ein Deserteursdenkmal Hannover ( www.deserteure-hannover.de) und hat vor kurzem dazu ein Buch veröffentlicht: "... und wenn sie mich an die Wand stellen": Desertion, Wehrkraftzersetzung und "Kriegsverrat" von Soldaten in und aus Hannover 1933-1945, Edition Region & Geschichte, ISBN 3930726165

Do., 15. 03. 2012, 19.30 Uhr LESUNG Frauenkultur Leipzig, Windscheidstr. 51, 04277 Leipzig
"... und wenn sie mich an die Wand stellen"
Desertion, Wehrkraftzersetzung und "Kriegsverrat" von Soldaten in und aus Hannover 1933-1945 (AK Regionalgeschichte, www.ak-regionalgeschichte.de ), Ralf Buchterkirchen, Hannover

Der Autor wählt seinen Ausgangspunkt bei der kritischen Männlichkeitsforschung, um sich dem Thema Desertion im Nationalsozialismus zuzuwenden. So war "Manneszucht" in der Wehrmacht zentral gesetzt. Und Deserteure sollten noch vor der Hinrichtung gedemütigt werden, was durch den symbolischen Ausschluss aus der Männergesellschaft geschah -- durch Aberkennung der "bürgerlichen Ehrenrechte" und der "Wehrwürdigkeit" sowie durch das Abreißen der Rangabzeichen. An ausgewählten Schicksalen erläutert Buchterkirchen die vielfältigen und individuellen Gründe zu desertieren und endet bei der schwierigen Rehabilitierung der Opfer der NS-Militärjustiz, die erst 2009 beendet wurde.

 

Freitag 13.01.2012, 20.00 Uhr im Demoz in Ludwigsburg
Samstag 14.01.2012, 19:30 Uhr im Wild West Mannheim

Buchvorstellung


Desertion und Männlichkeitsbilder

Deserteure sind „Feiglinge“ „Drückeberger“ und „Weiber“. Deserteure sind Helden im antifaschistischen Kampf. Diese Bilder derjenigen, die sich dem Krieg entzogen, herrschten – je nach Sichtweise – uneingeschränkt bis in die 1980er Jahre vor. Der Autor Ralf Buchterkirchen geht, ausgehend von Männlichkeitsbildern und der Militärjustiz als willfähriger Repressionsstruktur der Nazis, der Frage nach, wie und warum Soldaten des Zweiten Weltkrieges den Gehorsam verweigerten und wie sie selbst mit diesen ihnen zugewisenen Stereotypen umgingen.
Hinterfragt wird vor diesem Hintergrund auch die nicht erfolgte Rehabilition direkt nach Kriegsende. Dabei wird deutlich, wie Männlichkeitsforschung neue Ansätze liefern kann, Desertion als individuelle Entscheidung vor dem Hintergrund von Repression zu verstehen und damit auch Deserteuren und den ihnen Helfenden angemessen zu gedenken.