Gräber auf dem Fössefeldfriedhof

Bei einer lokalgeschichtlichen Untersuchung für den Raum Kassel konnten 20 Todesurteile ermittelt werden. 12 dieser Soldaten wurden hingerichtet, zwei auf der Flucht erschossen. Sechs Soldaten sind in der Haft bzw. in Strafeinheiten verstorben. Prof. Kammler hatte dazu mehrere hundert Wiedergutmachungsakten einsehen können. Für Hannover kann man von ähnlichen Zahlen ausgehen. Aufgrund der wenigen erhaltenen Dokumente - der größte Teil der gesamten Heeresakten wurde bei einem Bombenangriff auf Berlin vernichtet - ist eine im Umfang vergleichbare Recherche für Hannover vermutlich nicht mehr möglich.< Die Wiedergutmachungsakten des Versorgungsamtes Hildesheim sind mittlerweile leider vernichtet worden. Es gibt heute nur noch wenige Zeitzeugen, die befragt werden können. Bislang konnten 41 Soldaten ermittelt werden, die zum Tode verurteilt wurden. Berücksichtigt wurden Soldaten, die in Hannover geboren sind, wohnhaft waren, bzw. in Hannover hingerichtet wurden und auch hier bestattet sind. Wegen Fahnenflucht wurden 8, wegen Wehrkraftzersetzung 7 Soldaten hingerichtet, bei zwei hingerichteten Soldaten ist die Anklage unbekannt. Ein “Wehrkraftzersetzer” wurde zu 10 Jahren Gefängnis begnadigt, ein Deserteur konnte fliehen. Man kann davon ausgehen, daß deutlich mehr als die bisher nachgewiesenen Soldaten in und aus Hannover hingerichtet worden sind.

Hinrichtungen von Soldaten wurden normalerweise durch Erschießen vollzogen. In verschiedenen Zuchthäusern bzw. Gefängnissen, wie beispielsweise in Brandenburg-Görden, wurden Todesurteile mit dem Fallbeil vollstreckt. Nach dem 21. 9. 1944 erfolgten Hinrichtungen von Soldaten, auf Erlaß Himmlers als Befehlshaber des Ersatzheeres, zwecks “erzieherischer Wirkung” in der Regel in Anwesenheit einer Kompanie Soldaten des zugehörigen Truppenteils grundsätzlich durch Erschießen. Bei der großen Zahl der durch Soldaten ausgeführten Erschießungen, müssen ca. 200.000 Wehrmachtsoldaten auf ihre eigenen “Kameraden” geschossen haben (Dokument 10)

Dokument 10

Der Befehlshabers des Ersatzheeres, Himmler, ordnete zwecks ”erzieherische(r) Wirkung” per Erlaß am 21. September 1944 an:

”I. Die Todesstrafe wird im Bereich des Ersatzheeres künftig grundsätzlich durch Erschießen vollstreckt. ...

III. Dem Vollzug hat die Einheit, welcher der Verurteilte angehört, beizuwohnen und zwar bei Truppenteilen grundsätzlich in Kompanie­stärke. Sofern die Teilnahme der eigenen Einheit des Verurteilten an der Exekution aus zwingenden Gründen unmöglich ist, überlasse ich es dem Gerichtsherrn, hierzu aus anderen Einheiten Männer abkommandieren zu lassen, die einer solchen erzieherischen Einwirkung bedürfen.

IV. Zum Vollstreckungskommando sind aus Erziehungs- und Abschreckungsgründen in erster Linie Soldaten einzuteilen, die bereits Anlaß zu einer gerichtlichen oder disziplinarischen Bestrafung oder zu Ermahnungen gegeben haben.”

Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, BA-MA RH 14-23